Liebe Schwestern und Brüder:

Wir haben fast drei Dürrejahre hinter uns. Sie bescherten uns die bekannten Symptome, die seit Jahrhunderten die Bevölkerung des brasilianischen Nordostens plagen: karge Regenfälle, unzureichende Wasservorräte, totaler Ernteausfall, dezimierte Viehbestände, entvölkerte Bienenstöcke (80% Einbusse), starke Abwanderung (meistens nur vorrübergehend) nach São Paulo, fehlendes Saatgut, vertrocknete Weideflächen. Das hat sich dreimal hintereinander wiederholt. Nur den Hunger in der Bevölkerung hat es praktisch nicht gegeben (ein neues Phaenomen). Es blieb bei starken Einschränkungen, die mit den hoch dotierten Regierungsprogrammen zu bestehen waren, dazu das beträchtliche Kontingent der Bauern mit Alterspensionen und die Schulspeisung der Kinder.

Die größten Sorgen bereiteten die Ziegen- und Schafherden, denen Wasser und Futter fehlte. Wir haben monatelang mit Tankwagen Wasser an zentrale Verteilerstellen ausfahren lassen und zu Anfang des Jahres 300 Tonnen Mais verteilt. In den Regierungsprogrammen ist dieser Aspekt nicht berücksichtigt. Damals waren wieder die Regenfälle ausgeblieben. Es gab keine Reste mehr zum Durchhalten. Erst in der letzten Phase (März-April) gab es ein wenig Regen. Der Busch wurde wenigstens grün, obwohl fast ohne Blüten. Auch Wasser sammelte sich in den Auffangbecken an – ein wenig Erleichterung.

Jetzt erwarten wir eine neue Regenperiode. Es gibt einige ermutigende Vorhersagen. Die nächsten Wochen werden es zeigen. Aber nur der Regen hilft uns nicht weiter. Die normalen Bedingungen, zerstört durch die Dürre, müssen wiederhergestellt werden. In diesen Monaten gehen unsere Bemühungen in diese Richtung.

Die Bienenzucht hat drastische Verluste gehabt. Von den 32000 Bienenvölkern der Genossenschaft blieben nur 6500 am Leben, und diese ohne Chancen die trockenen Monate zu überstehen. Wir haben eine große Rettungsaktion durchgeführt, ein waghalsiges Untenehmen bei der uns fehlenden Erfahrung: 2200 bevölkerte Bienenstöcke wurden in eine 1000 km entfernte Gegend transportiert und dort in einer üppigen Vegetation (gemietete Ländereien) ausgesetzt. Ernte, Aufbereitung und Verkauf des Honigs wurden dort durchgeführt. Etwa 200 Schwärme haben die Umsiedlung nicht überstanden. Die übrigen produzieren Honig und vermehren sich, bis sie in den kommenden Monaten „nach Hause“ zurückgebracht werden. Es war eine teure Aktion. Sie verlangte eine Logistik, die für uns neu war. Man nennt das „Migrations-Bienenzucht“. Aber es hat sich gelohnt. Die Grundlage, um  alles wieder neu aufzubauen, ist geschaffen.

Kernproblem jedes Dürregebietes ist die Wasserversorgung. Wichtig ist, sich für den zukünftigen Katastrophenfall (eine neue Dürre) vorzubereiten. Wir konnten zwei größere Stauanlagen bauen, die zumindest eine einjährige Dürre überstehen. Dann planen wir, in unmittelbarer Nähe von Staubecken, die austrocknen können, Tiefbrunnen anzulegen, die nur im Fall einer Dürre aktiviert werden, um die trockenen Becken aufzufüllen. An sieben Stellen haben wir geologische Untersuchungen durchgeführt. Ohne eine hohe Wahrscheinlichkeit Wasser zu finden werden wir nicht bohren.

Ich bin immer wieder tief betroffen von der Anstrengung, die die kleinen Viehzüchter machen, um Wasser für ihre Tiere heranzuschaffen. Eine ältere Frau – vor kurzem war ihr kranker Mann gestorben – muss viereinhalb Kilometer entfernt von ihrem Haus Wasser holen, das heisst 9 km hin und zurück, manchmal zweimal am Tag. Das Zugtier ihrer Karre war ein altes, ausgelaugtes und unterernährtes Maultier – es fiel vor ein paar Tagen tot um. Jetzt muss sie warten, dass Nachbarn und Freunde ihr helfen. Gott sei Dank gibt es diese guten Leute. Sie tun, was die hl. Schrift ununterbrochen fordert: sich der Witwen und Waisen annehmen.

Vor zehn Tagen haben wir einen großen Viehmarkt für Ziegen und Schafe organisiert.
Das war ein wichtiger Beitrag, um nach den Dürreschäden einen neuen Bestand mit guten Zuchttieren aufzubauen. Die ganze Gegend hat diesen Impuls verstanden und begrüßt, um mit Mut und Vertrauen neu zu beginnen.

Nun nähert sich die Zeit einer neuen Regenperiode. Um sie gut nutzen zu können, muss Saatgut zur Verfügung stehen. Wir haben auf bewässerten Flächen schon vor  drei Monaten gepflanzt – die Ernte wird den Bauern zur Verfügung gestellt, um Weideflächen und Futtervorräte neu anzulegen. Dazu haben wir Verträge abgeschlossen zum Kauf größerer Mengen guten Saatgutes: Mais, Maniok, Futterkaktus. Letzterer kommt 700 km weit her und wird von uns multipliziert und verteilt.

Das sind einige Beispiele unseres Einsatzes zur Überwindung der Dürreschäden und für einen wirksamen Neuanfang. Stark motiviert sind wir durch das Zeugnis unserer Bauern: sie geben nicht auf, fangen immer wieder neu an, im Vertrauen auf die Güte Gottes. Seit Jahren inspiriert uns das Beispiel des Josefs von Ägypten: er bereitete das Volk vor auf die bevorstehende Dürre und überstand sie zusammen mit allen, die bei ihm Hilfe suchten. Mit der Gnade Gottes und der Unterstützung unserer Brüder und Schwestern bezeichnen wir unseren Weg weiterhin als das „Projekt Josef von Ägypten – die Dürre erschreckt uns nicht“. Der Weg der Befreiung des Volkes Gottes beginnt mit dieser Vorsorge für die lange Zeit  ohne Regen und Ernte. Die nächste Dürre kommt bestimmt – wir wollen sie besser vorbereitet bestehen. Dazu stehe Gott uns mit seiner Gnade bei.

In herzlicher dankbarer Verbundenheit
grüßt Sie alle
Ihr Padre Geraldo Gereon