Liebe Schwestern und Brüder in Deutschland,

Unsere Pfarrei São Francisco de Assis hat in diesen Tagen ihr Patronatsfest gefeiert. Zehn Tage lang haben wir uns um den hl. Franziskus versammelt, seine Botschaft an uns gehört und meditiert und darin die frohe Botschaft Jesu vernommen: die Helligkeit des Lichtes und der deftige Geschmack des Salzes machen diese Botschaft froh und befreiend: sie provoziert und verwandelt, wenn man sie so haargenau wie Franziskus  praktiziert. Das Leben dieses beliebten Heiligen beweist das: er trägt die wahre Freude in sich und vermittelt sie an seine Minderbrüder, seine Landsleute und die Kirche seiner Zeit.

Was die Kirche des Aufbruchs vor 50 Jahren erträumte, hat Franziskus damals zustande gebracht: in die Asche blasen und die verdeckte Glut wieder zum Brennen bringen. Jesus wollte nicht verborgene Glut unter der Asche bewahren – er wollte loderndes Feuer, das sich ausbreitet wie die unkontrollierbaren Buschbrände in der Trockenlandschaft des Nordostens unseres Landes. Das muss die Dynamik einer Pfarrei sein, die sich dem Wort Gottes aussetzt, ständig zur Umkehr bereit ist und ohne Angst vor Veränderung ihren Weg geht.

Nach der neuntägigen Novene mit thematischen Gottesdiensten feierten wir den Festtag mit der Eucharistie und der abschließenden Prozession. Zwei Themen bestimmten diese Feier: Dank und Bitte. Wir wollten danken für die Gnade, in der grausamen Dürre helfen zu können, die Folgen des ausgebliebenen Regens zu ertragen: Hunger und Durst von Mensch und Vieh. Zeichen dieser rettenden Hilfe waren die drei von uns gemieteten Tanklastwagen, die wir vor der Kirche aufgestellt hatten. Seit drei Monaten fahren sie Wasser aus, um das bedrohte Vieh zu tränken. 615 Ladungen von je 8.000 Litern haben sie bis jetzt an die rund 25 Verteilerstellen gebracht. Dazu unterhalten wir 382 Familien mit Arbeitseinsätzen. Schon vier Monate arbeiten sie hauptsächlich an Stauanlagen, die im Laufe der Jahre versandet sind und wieder vertieft werden müssen.



Wie nützlich diese Arbeit ist, zeigt folgende Tatsache: Die Stauanlagen hier in der Gegend, die in dieser regenlosen Zeit am längsten Wasser hielten, sind alle von uns in den vergangenen Jahren gebaut worden. Immer achten wir darauf, dass diese Anlagen so groß sind, dass sie Wasser für zwei Jahre fassen. So haben wir in den letzten Wochen mit rund 200 Traktorstunden größere Stauanlagen so vertieft, dass sie die nächste Dürre bestehen können. An den kleineren Anlagen haben wir die Arbeitseinsätze am Laufen.

Bei der Abschlussfeier am Franziskus-Fest hatten wir zu den Lastwagen vor der Kirche auch unsere vier hauptamtlichen Mitarbeiter mit ihren Motorrädern aufgestellt. Außer den Notmaßnahmen koordinieren sie weiterhin die Arbeiten, die durch die Dürre unterbrochen wurden. Alle diese Arbeiten haben das Ziel, die immer wieder auftretenden Dürren so bestehen zu können, dass sie uns zwar beeinträchtigen, aber nicht zerstören. In diesen Tagen haben wir die Arbeiten zur Produktion von Setzlingen begonnen. Die Aufforstung in dieser Trockenzone ist ein wichtiger Beitrag dazu „mit der Dürre leben zu können“. Gleichzeitig geht unsere Ziegenzucht weiter. Denn der Ziegenbestand ist beträchtlich zurückgegangen. Viele Kleinbauern haben Teile ihrer Herden billig verkauft, bevor sie an Durst und Hunger eingingen. Wir wollen gute Zuchttiere zur Verfügung stellen, um diese Bestände wieder aufzufüllen. Mit Ziegen geht das dreimal schneller als mit Rindern. Außerdem erarbeiten wir mit hunderten von Genossenschaftsmitgliedern die Erneuerung der Bio-Zertifikate für Honig und Sesam. Nur so können wir eine nächste Ernte gut vermarkten.

Ein entscheidender Punkt zur Normalisierung bei Beginn der neuen Regenperiode ist gutes Saatgut in ausreichender Menge. Es ist nicht leicht zu finden, weil die Hersteller im Dürregebiet alle beeinträchtigt sind von der Klimakatastrophe. Und Saatgut aus anderen Klimazonen des Landes würde kein gutes Ergebnis bringen. Mit großen Schwierigkeiten konnten wir bis jetzt 31 Tonnen Mais und Futtersorgo auftreiben.  Für das große Gebiet, in dem wir aktiv sind, ist das nicht genug. Aber wo gar nichts passiert, ist das wenige, das möglich ist, ganz sicher ein Zeichen.

Für alle unsere Arbeiten ist dies gerade die wichtigste Motivation: ein Zeichen dafür sein, was im Evangelium des Franziskus-Festes verkündet wurde:  „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies ... den Kleinen offenbart hast – Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch Ruhe verschaffen“. Mit dem „Poverelo“ von Assisi, dem kleinen Armen, haben wir dafür gedankt, dass Jesus sich in seiner und unserer Kleinheit offenbart hat und uns Erleichterung beim Tragen unserer Lasten verschafft. Deshalb war unser Patronatsfest ein fröhliches Zeichen unseres Glaubens. Es war unser Dank für die Gnade des Vaters im Himmel – wir dürfen sie erfahren in den tragischen  Auswirkungen der Dürre, die unsere Hoffnung nicht versiegen lassen.

In meine Dankbarkeit möchte ich auch eine andere Erfahrung einschließen: mein kurzer Aufenthalt in Deutschland. Den Monat August habe ich in der Heimat verbracht. Es war eine Zeit vieler Begegnungen mit Verwandten und Freunden, Mitbrüdern, Gruppen und Pfarreien. Seit vier Jahren war ich nicht in Deutschland. Auch dieses Mal konnte es nur kurz sein, weil die Koordinierung der Hilfsaktionen in der Dürre keine längere Abwesenheit zuließ. Gern hätte ich noch viele Freunde besucht, die sicherlich diesen Besuch erwarteten. Es wird hoffentlich eine neue Gelegenheit geben.

 Wenn man die Briefe des heiligen Paulus liest, fällt dabei auf, wie oft der Apostel Gott dankt für die Gemeinden, denen er schreibt: die großzügige und herzliche Aufnahme, die er bei ihnen fand, und das Zeugnis ihres Glaubens, das ihn ermutigt. Etwas Ähnliches habe ich bei meinem Besuch in Deutschland empfunden. „Ich danke meinem Gott sooft ich an euch denke“, so möchte ich wie Paulus sagen. Überall wurde ich mit herzlicher Freude aufgenommen. Vieles wurde vorbereitet und hergerichtet, was Zeit und Arbeit verlangte. Der Aufwand drückte immer die Freude aus über die Begegnung, die manchmal nur einige kurze Momente dauern konnte. Immer wurde mir dabei deutlich, dass mit meiner Person auch die vielen Menschen hier im dürregeplagten Nordosten gemeint waren. Wir alle sind erfasst in der geschwisterlichen Sorge um uns dort in Deutschland. Für alle und für alles danke ich Gott: meinen Geschwistern mit ihren Familien, den Gemeinden und Förderkreisen, so vielen Freunden und Wohltätern. Noch einmal zu Paulus: „Ich habe mich im Herrn besonders gefreut, dass ihr eure Fürsorge für mich entfalten konntet“. Paulus hat Hilfe für seinen eigenen Unterhalt erhalten und Hilfe weitergeleitet an bedürftige Gemeinden. Immer wieder dankt er dafür: „...ich lasse nicht ab, für euch zu danken, wenn ich in meinen Gebeten an euch denke“. Am Fest des hl. Franziskus wurde mein und unser Dank auch zum Gebet für euch alle (Zitate aus Phil. und 1 Thess.)

Nun kommt die Zeit der neuen Regenperiode näher. Wir sind alle voller Hoffnung, aber die Anzeichen sind noch sehr schwach. Es wird wohl noch einige Wochen dauern, bis die ersten Regenfälle Erleichterung bringen. Das war unsere große Bitte am Festtag des hl. Franziskus: die Bitte um Regen für die trockenen Felder und die versiegten Wasserstellen. Aber wir haben auch darum gebetet, die im Augenblick notwendigen „Werke der Wohltätigkeit“ wieder umleiten zu können zu den zahlreichen „Projekten“, die unsere kleinen Bauern befähigen zukünftige Dürrezeiten mit weniger Schaden überstehen zu können. Nur so wird die Hoffnung und nicht die Trostlosigkeit das letzte Wort haben.

In brüderlicher, dankbarer Verbundenheit Grüßen wir alle Schwestern und Brüder
Padre Geraldo Gereon