Dankeschön - 24. Januar 2016

Aus Hamburg bekam ich die Nachricht von einer großzügigen Spende – eine große Freude für uns alle hier. Herzlich bedanke ich mich im Namen unserer Armen, mit denen wir unsere Arbeit fortsetzen können, die versucht Wege aus der Armut zu finden.

Wir leben in einem Land, das Armut mit Geldzahlungen der Regierung an Millionen Bedürftige lösen will. Das erhöht zwar die Zahl der Konsumenten, die aber ihren „Verdienst“ nicht erarbeiten, jedoch mit  indirekten Steuern an die Regierung zurückgeben. Wir erleben hier gerade ein erschreckendes Erwachen, das traurige Erfahrungen sozialistisch regierter Länder wiederholt. Immer wird dann die Schuld der „bürgerlichen Elite“ zugeschrieben, die die Masse der rechtlosen Armen in ihrer unüberwindlichen Armut etabliert hat. Natürlich darf man nicht ideologisch vereinfachen und noch weniger sich in politische Polemik verwickeln. Uns bewegt jedoch eine Überzeugung, übermittelt und begründet durch den, der selbst die Wahrheit ist: Nirgendwo kann man vernünftige Lösungen finden außer im Evangelium Jesu, das seine Kirche auf den Weg zu den Armen bringt. Jedes Jahr stellen wir unsere große Elisabeth-Wallfahrt unter das Thema: „Hier wollen wir unsere Option für die Armen einüben, um eine heilige, arme und samaritanische Kirche zu sein, ausgerichtet auf das Evangelium Jesu.“

NOVEMBER 2015

Nach der letzten Regenzeit hat sich einiges normalisiert nach der vierjährigen Dürre. Aber die Langzeitfolgen sind noch immer nicht ganz überwunden. Verkleinerte Weide- und Anbauflächen kann man nicht in ein paar Monaten wiederherstellen. Die fleißigen Bienen haben eine unermüdliche Arbeitsfreude und kommen schnell wieder zu normalen Verhältnissen. Unsere Bienenzüchter haben viel Honig verkaufen können, zum großen Teil ins Ausland, und sie haben dabei von dem günstigen Wechselkurs profitiert.

Die Regenzeit - Mai 2015


Der „Cascudo“-Baum blüht, wenn eine neue Regenzeit sich ankündigt: ein erfreuliches Zeichen der Hoffnung.


Ein anderes untrügliches Zeichen für Regen ist die Blüte des Mandacarú-Kaktus. Er blüht nur eine Nacht lang – der Regen kommt sofort.

Brief an die Kirchengemeinden - 26. März 2015

Diesen Brief schreibe ich an drei Kirchengemeinden, die seit langem meinen Weg hier in Brasilien begleiten: die St. Wilhelm-Gemeinde in Hamburg, die St. Ansgar-Gemeinde in Osnabrück und die St. Marien-Gemeinde in Sehnde. Diese drei Gemeinden halten uns hier im Nordosten Brasiliens seit Jahrzehnten die Treue mit ununterbrochenen Aktionen, die Priester, Arbeitskreise und die Gesamtgemeinde bewegen.

Diese drei Gemeinden haben seit einiger Zeit etwas gemeinsam, was sie betrübt, herausfordert, verwandelt, verunsichert und hoffen lässt. Es ist die Tatsache, dass sie nicht mehr Pfarreien mit eigenem Pfarrer sind, sondern in einen Pfarrverband eingegliedert sind, in dem ein oder mehrere Priester den gesamten Komplex seelsorglich betreuen und verwalten. Sie haben ihren eigenen Pfarrer „verloren“ und müssen sich für die spezifisch priesterliche Tätigkeit den oder die Priester mit den anderen Gemeinden teilen. Die Pfarrei wird zur Kirchengemeinde, kirchenrechtlich kaum definierbar, aber  mit erhöhten Anforderungen an freiwillige Träger des Gemeindelebens. Man redet von positiven Erwartungen und Chancen, aber so richtig froh wird dabei keiner. Irgendetwas scheint da nicht zu stimmen, etwas Unersetzbares gibt es nicht mehr. Es handelt sich um das Wesen der christlichen Gemeinde: eine Ekklesia, die an einen Ort gebunden ist mit eigenem Namen und einer vollständigen Struktur von Ämtern, einschließlich der geweihten Presbyter. Alle Briefe der Apostel im Neuen Testament sind an solche Ortskirchen gerichtet, nicht an Gemeindeverbände.

Nachricht zur Fastenzeit - 14.03.2015

Liebe Schwestern und Brüder:

Das Osterfest steht vor der Tür. Jedes Jahr wird bei dieser Gelegenheit in der St.Wilhelm-Gemeinde ein Fastenessen zu unseren Gunsten veranstaltet. Wir sind sehr dankbar für diese Initiative, die sich Jahr für Jahr wiederholt und damit zu unserem Bemühen um die armen Bauern unseres Gebietes beiträgt.

Die Fasten- und Osterzeit fällt jedes Jahr in die Regen- und Pflanzperiode in unserer Gegend. Da fragt man immer bei uns nach, ob es genügend regnet und wie die Aussichten auf eine Ernte sind. Die Antwort darauf lässt immer viele Fragen offen, da der Abschluss der Regenperiode immer erst nach Ostern geschieht. Man kann deshalb immer nur Vorläufiges berichten.

Persönliche Gedanken aus gegebenem Anlass im November 2013

Liebe Schwestern und Brüder in Deutschland:

Vor kurzem fiel mir ein Gebet von Dorothee Sölle in die Hände. Darin richtet sie ungewöhnliche Worte an Gott: „Nicht du sollst meine Probleme lösen, sondern ich deine ... – nicht du sollst die Hungrigen satt machen, sondern ich soll deine Kinder behüten ... – nicht du sollst den Flüchtlingen Raum geben, sondern ich soll dich aufnehmen ...“ Mir schien das Gebet geeignet für unsere Elisabeth-Wallfahrt. Am nächsten Sonntag werden sich wieder Tausende Pilger aus sechs Pfarreien unserer Gegend auf den Weg machen. Sie treffen sich am Ufer des Flusses Canindé – dort bauten wir vor 23 Jahren eine Brücke über den Fluss, der in der Regenzeit unpassierbar war. Am Eingang des großen Freilicht-Geländes steht eine Tafel: „Hier üben wir unsere Option für die Armen ein.“ Doch dann kamen mir Bedenken: Was mache ich da aus Gott, den ich um nichts bitte, um seine Bitte an mich zu vernehmen? Es war nur ein kurzes Einhalten. Ganz schnell wurde mir sonnenklar: so müsste man immer beten. Der Gott, an den ich glaube, hat sich selbst zum Bittsteller gemacht, ist klein, hilflos und bedürftig geworden, herabgestiegen auf den letzten Platz, den ihm keiner streitig machen kann.

50 Jähriges PRIESTER - JUBILÄUM - 2. Februar 2013

Predigt in der Eucharistiefeier am 2. Februar 2013 auf dem Platz vor der Pfarrkirche von São Francisco de Assis, beim 50-jährigen Priesterjubiläum, zusammen mit dem Bischof von Oeiras, Dom Juarez, zahlreichen Mitbrüdern aus den Diözesen Oeiras, Floriano, Teresina und São Raimundo Nonato und über 2000 Schwestern und Brüdern, mit denen ich fast 47 Jahre lang den Weg des Gottesvolkes gegangen bin.