Brief an die Kirchengemeinden - 26. März 2015

Diesen Brief schreibe ich an drei Kirchengemeinden, die seit langem meinen Weg hier in Brasilien begleiten: die St. Wilhelm-Gemeinde in Hamburg, die St. Ansgar-Gemeinde in Osnabrück und die St. Marien-Gemeinde in Sehnde. Diese drei Gemeinden halten uns hier im Nordosten Brasiliens seit Jahrzehnten die Treue mit ununterbrochenen Aktionen, die Priester, Arbeitskreise und die Gesamtgemeinde bewegen.

Diese drei Gemeinden haben seit einiger Zeit etwas gemeinsam, was sie betrübt, herausfordert, verwandelt, verunsichert und hoffen lässt. Es ist die Tatsache, dass sie nicht mehr Pfarreien mit eigenem Pfarrer sind, sondern in einen Pfarrverband eingegliedert sind, in dem ein oder mehrere Priester den gesamten Komplex seelsorglich betreuen und verwalten. Sie haben ihren eigenen Pfarrer „verloren“ und müssen sich für die spezifisch priesterliche Tätigkeit den oder die Priester mit den anderen Gemeinden teilen. Die Pfarrei wird zur Kirchengemeinde, kirchenrechtlich kaum definierbar, aber  mit erhöhten Anforderungen an freiwillige Träger des Gemeindelebens. Man redet von positiven Erwartungen und Chancen, aber so richtig froh wird dabei keiner. Irgendetwas scheint da nicht zu stimmen, etwas Unersetzbares gibt es nicht mehr. Es handelt sich um das Wesen der christlichen Gemeinde: eine Ekklesia, die an einen Ort gebunden ist mit eigenem Namen und einer vollständigen Struktur von Ämtern, einschließlich der geweihten Presbyter. Alle Briefe der Apostel im Neuen Testament sind an solche Ortskirchen gerichtet, nicht an Gemeindeverbände.

Nachricht zur Fastenzeit - 14.03.2015

Liebe Schwestern und Brüder:

Das Osterfest steht vor der Tür. Jedes Jahr wird bei dieser Gelegenheit in der St.Wilhelm-Gemeinde ein Fastenessen zu unseren Gunsten veranstaltet. Wir sind sehr dankbar für diese Initiative, die sich Jahr für Jahr wiederholt und damit zu unserem Bemühen um die armen Bauern unseres Gebietes beiträgt.

Die Fasten- und Osterzeit fällt jedes Jahr in die Regen- und Pflanzperiode in unserer Gegend. Da fragt man immer bei uns nach, ob es genügend regnet und wie die Aussichten auf eine Ernte sind. Die Antwort darauf lässt immer viele Fragen offen, da der Abschluss der Regenperiode immer erst nach Ostern geschieht. Man kann deshalb immer nur Vorläufiges berichten.

Persönliche Gedanken aus gegebenem Anlass im November 2013

Liebe Schwestern und Brüder in Deutschland:

Vor kurzem fiel mir ein Gebet von Dorothee Sölle in die Hände. Darin richtet sie ungewöhnliche Worte an Gott: „Nicht du sollst meine Probleme lösen, sondern ich deine ... – nicht du sollst die Hungrigen satt machen, sondern ich soll deine Kinder behüten ... – nicht du sollst den Flüchtlingen Raum geben, sondern ich soll dich aufnehmen ...“ Mir schien das Gebet geeignet für unsere Elisabeth-Wallfahrt. Am nächsten Sonntag werden sich wieder Tausende Pilger aus sechs Pfarreien unserer Gegend auf den Weg machen. Sie treffen sich am Ufer des Flusses Canindé – dort bauten wir vor 23 Jahren eine Brücke über den Fluss, der in der Regenzeit unpassierbar war. Am Eingang des großen Freilicht-Geländes steht eine Tafel: „Hier üben wir unsere Option für die Armen ein.“ Doch dann kamen mir Bedenken: Was mache ich da aus Gott, den ich um nichts bitte, um seine Bitte an mich zu vernehmen? Es war nur ein kurzes Einhalten. Ganz schnell wurde mir sonnenklar: so müsste man immer beten. Der Gott, an den ich glaube, hat sich selbst zum Bittsteller gemacht, ist klein, hilflos und bedürftig geworden, herabgestiegen auf den letzten Platz, den ihm keiner streitig machen kann.

50 Jähriges PRIESTER - JUBILÄUM - 2. Februar 2013

Predigt in der Eucharistiefeier am 2. Februar 2013 auf dem Platz vor der Pfarrkirche von São Francisco de Assis, beim 50-jährigen Priesterjubiläum, zusammen mit dem Bischof von Oeiras, Dom Juarez, zahlreichen Mitbrüdern aus den Diözesen Oeiras, Floriano, Teresina und São Raimundo Nonato und über 2000 Schwestern und Brüdern, mit denen ich fast 47 Jahre lang den Weg des Gottesvolkes gegangen bin.

17. Juni 2012

Bäuerin in Piaui

Auf diesem Bild schaut Dich eine Bäuerin an aus dem dürregeplagten Piauí, im brasilianischen Nordosten. In diesem Blick sind verschiedene Einzelheiten aus dem Leben dieser Frau verborgen. Gleichzeitig bringt er zum Ausdruck, welche Haltungen diesem Leben ihre Richtung geben, die sie manchmal selbst bestimmen kann, aber der sie sich auch oft unterwerfen muss.

16. Mai 2012

Im Gegensatz zu Unwetterkatastrophen geht es bei einer Dürre langsam vor sich. Von Tag zu Tag werden die Konsequenzen klarer: die Wasser- und Futterbestände gehen zu Ende, auf den Feldern gibt es nichts mehr zu tun, denn die Ernte ist total ausgefallen. Wir sind viel unterwegs, um die Situation zu erfassen und eventuelle Maßnahmen einzuleiten. So sind wir am Bau von zwei Pumpstationen am Stausee, wo wir Tankwagen beladen wollen. Dazu müssen wir auch 9 km Straße herrichten, damit diese Wagen an den See herankommen. Von 100 geplanten Zisternen haben wir schon 50 fertiggestellt, sie sind elementar wichtig als Reservoire für ausgeteiltes Wasser.
Viele andere mögliche Maßnahmen kann man nicht genau planen, ohne zu wissen ob sie finanzierbar sind. Wir hoffen auf Gottes Hilfe.

Mit herzlichen brüderlichen Grüßen
Padre Geraldo Gereon.

OSTERBOTSCHAFT - 28. Februar 2012

Liebe Brüder und Schwestern in Deutschland,

wieder haben wir den Weg zur Feier der Auferstehung Jesu begonnen. Dazu wurden wir eingeladen mit den Worten Jesu: „Bekehrt euch und glaubt an die Frohe Botschaft“. Muss man sich zu einer Frohen Botschaft bekehren? Sicherlich wäre das nötig, wenn diese Botschaft uns ängstigen oder bedrücken würde. In den letzten Wochen haben wir hier eine eigenartige Erfahrung dazu gemacht. Unseren armen Bauern wurde im vergangenen Jahr die Auszahlung der Versicherung gegen Ernteausfälle verweigert. Wir veranstalteten eine große Kundgebung und mobilisierten einflussreiche Leute, um die Regierungsbürokratie umzustimmen. Alles nützte nichts. Bis heute gab es keinen Ausweg.