Demonstration gegen die „TRANSNORDES-TINA“ Eisenbahn

Die beiden Bilder zeigen die Absperrung der Zufahrt für die Baustelle. Sie wurde von den Landbesitzern, die nicht enteignet und entschädigt waren, errichtet.

OSTERGRUSS - 07. März 2016

Liebe Schwestern und Brüder,  

Gestern Abend gegen Mitternacht schaukelte ich nach einer Messfeier im Innern von São Francisco zurück nach Hause. Für 36 km brauchte ich 1,1/2 Stunden auf einer Straße, die der Regen ausgewaschen und stellenweise unpassierbar gemacht hatte. Die ständigen Stöße im Auto liessen die Erinnerung freiwerden das ein Bericht von mir erwartet wird.

Der Zustand der schlecht passierbaren Straße ist schon ein erstes Thema: es hat stark geregnet. In der ersten Januarhälfte gab es starke Regenfälle in der ganzen Gegend. Alle kleinen und grossen Stauanlagen füllten sich bis zum Überlauf. Die Äcker waren verschlammt und schwer zu pflügen. Aber alle Bauern begannen voller Freude ihre Pflanzungen. Der Busch und die Weiden wurden schnell grün, und es gab wieder Futter für das Vieh. Die Regenmenge von zwei Wochen (360 mm) ergab über die Hälfte der durchschnittlichen Niederschläge in 6 Monaten.

28. Februar 2016 an Hans Géréon

Ich sitze im Moment stark unter Druck. Unser Bischof ist versetzt worden, da muss ein Diözesanverwalter von dem Konsultoren-Kolleg gewählt werden.
Der Bischof verlässt die Diözese am 5. März. Dann muss in 8 Tagen die Wahl stattfinden.

Ich selbst gehöre zu dieser Gruppe der sieben Konsultoren.
Der Bischof hat zuerst mich selbst bearbeitet das Amt anzunehmen, dann die anderen Wahlberechtigten. Alle behaupten es gäbe keine Alternative. Jetzt pfeifen es schon die Spatzen vom Dach. Aus Teresina kam schon eine Nachricht, ich würde für drei Jahre der Bischof der Diözese (der reine Wahnsinn). Das Schlimme ist, dass wir nur 22 Priester sind - da gibt es wenig Auswahl.

Der Bischof hat das alles genau eingeleitet (was er eigentlich nicht durfte, denn der Prozess darf erst in Gang kommen, wenn der Bischof weg ist).
So kommen schwere Zeiten auf mich zu. Ich werde dann berichten. Du kannst das gerne weitergeben, denn es ist sowieso kein Geheimnis mehr.

Herzlichst Gerhard

Nachrichten über das Zika-Virus im Nordosten Brasiliens - Februar 201

Der Zica-Virus wird durch eine Stechmücke übertragen (Aedes egipti). Diese ist schon seit Jahren ein Problem, weil es die Deng-Krankheit überträgt (hohes Fieber, erhöhtes Unwohlsein, über 8-10 Tage), in einigen Fällen tödlich.
Diese Mücke gibt es fast in allen großen Städten, wo keine Kanalisierung der Abwässer existiert, besonders in den bevölkerungsreichen Armenvierteln. Dazu gehört auch die unzureichende Müllabfuhr, wodurch kleine und große Behälter Wasser speichern, was die Fortpflanzung und Ausbreitung der Insekten fördert. Es werden z.T. großangelegte Aktionen durchgeführt, um die Bevölkerung zu Achtsamkeit zu erziehen und innerhalb und außerhalb der Wohnungen offene Wasserstellen zu vermeiden (z.B. unter Blumentöpfen). Aber die fehlende Infrastruktur ist schier unüberwindlich, und nur mit häuslicher Disziplin einer aufgeklärten Minderheit kommt man nicht sehr weit. Die Ausbreitung der Mücke ist  nicht unter Kontrolle zu bringen - vorerst.

Dankeschön - 24. Januar 2016

Aus Hamburg bekam ich die Nachricht von einer großzügigen Spende – eine große Freude für uns alle hier. Herzlich bedanke ich mich im Namen unserer Armen, mit denen wir unsere Arbeit fortsetzen können, die versucht Wege aus der Armut zu finden.

Wir leben in einem Land, das Armut mit Geldzahlungen der Regierung an Millionen Bedürftige lösen will. Das erhöht zwar die Zahl der Konsumenten, die aber ihren „Verdienst“ nicht erarbeiten, jedoch mit  indirekten Steuern an die Regierung zurückgeben. Wir erleben hier gerade ein erschreckendes Erwachen, das traurige Erfahrungen sozialistisch regierter Länder wiederholt. Immer wird dann die Schuld der „bürgerlichen Elite“ zugeschrieben, die die Masse der rechtlosen Armen in ihrer unüberwindlichen Armut etabliert hat. Natürlich darf man nicht ideologisch vereinfachen und noch weniger sich in politische Polemik verwickeln. Uns bewegt jedoch eine Überzeugung, übermittelt und begründet durch den, der selbst die Wahrheit ist: Nirgendwo kann man vernünftige Lösungen finden außer im Evangelium Jesu, das seine Kirche auf den Weg zu den Armen bringt. Jedes Jahr stellen wir unsere große Elisabeth-Wallfahrt unter das Thema: „Hier wollen wir unsere Option für die Armen einüben, um eine heilige, arme und samaritanische Kirche zu sein, ausgerichtet auf das Evangelium Jesu.“

NOVEMBER 2015

Nach der letzten Regenzeit hat sich einiges normalisiert nach der vierjährigen Dürre. Aber die Langzeitfolgen sind noch immer nicht ganz überwunden. Verkleinerte Weide- und Anbauflächen kann man nicht in ein paar Monaten wiederherstellen. Die fleißigen Bienen haben eine unermüdliche Arbeitsfreude und kommen schnell wieder zu normalen Verhältnissen. Unsere Bienenzüchter haben viel Honig verkaufen können, zum großen Teil ins Ausland, und sie haben dabei von dem günstigen Wechselkurs profitiert.

Die Regenzeit - Mai 2015


Der „Cascudo“-Baum blüht, wenn eine neue Regenzeit sich ankündigt: ein erfreuliches Zeichen der Hoffnung.


Ein anderes untrügliches Zeichen für Regen ist die Blüte des Mandacarú-Kaktus. Er blüht nur eine Nacht lang – der Regen kommt sofort.

Brief an die Kirchengemeinden - 26. März 2015

Diesen Brief schreibe ich an drei Kirchengemeinden, die seit langem meinen Weg hier in Brasilien begleiten: die St. Wilhelm-Gemeinde in Hamburg, die St. Ansgar-Gemeinde in Osnabrück und die St. Marien-Gemeinde in Sehnde. Diese drei Gemeinden halten uns hier im Nordosten Brasiliens seit Jahrzehnten die Treue mit ununterbrochenen Aktionen, die Priester, Arbeitskreise und die Gesamtgemeinde bewegen.

Diese drei Gemeinden haben seit einiger Zeit etwas gemeinsam, was sie betrübt, herausfordert, verwandelt, verunsichert und hoffen lässt. Es ist die Tatsache, dass sie nicht mehr Pfarreien mit eigenem Pfarrer sind, sondern in einen Pfarrverband eingegliedert sind, in dem ein oder mehrere Priester den gesamten Komplex seelsorglich betreuen und verwalten. Sie haben ihren eigenen Pfarrer „verloren“ und müssen sich für die spezifisch priesterliche Tätigkeit den oder die Priester mit den anderen Gemeinden teilen. Die Pfarrei wird zur Kirchengemeinde, kirchenrechtlich kaum definierbar, aber  mit erhöhten Anforderungen an freiwillige Träger des Gemeindelebens. Man redet von positiven Erwartungen und Chancen, aber so richtig froh wird dabei keiner. Irgendetwas scheint da nicht zu stimmen, etwas Unersetzbares gibt es nicht mehr. Es handelt sich um das Wesen der christlichen Gemeinde: eine Ekklesia, die an einen Ort gebunden ist mit eigenem Namen und einer vollständigen Struktur von Ämtern, einschließlich der geweihten Presbyter. Alle Briefe der Apostel im Neuen Testament sind an solche Ortskirchen gerichtet, nicht an Gemeindeverbände.