Ich werde ein wenig berichten über das angeschnittene Thema. Aber es ist sehr komplex und lässt sich schwer zusammenfassen in einem Land mit kontinentalen Ausmaßen und einer 210-Millionen-Bevölkerung. Einige der größten Metropolen (São Paulo, Rio de Janeiro, Recife, Salvador, Belém, Manaus, Fortaleza usw.) liegen im Chaos - die medizinische Struktur bricht zusammen, und alle Krankenhäuser haben nicht genügend Betten für die Intensivstationen mit ihrer High-Technik. Alle berühmten großen Fußball-Stadien haben auf dem Spielfeld Notkrankenhäuser gebaut (in drei Wochen aus dem Boden gestampft). Aber die technischen Einrichtungen müssen aus dem Ausland eingeführt werden (bei dem lahmgelegten Flugverkehr).

Alle großen Metropolen haben riesige Favelas, auf kleinstem Raum, auf unzugänglichen Berghängen wohnen Hunderttausende der Ärmsten der Armen. Die Toten werden in Massengräbern verscharrt, ohne dass die Angehörigen dabei sein können. Es geht chaotisch zu. Dazu tönt es den ganzen Tag in allen Medien: "Bleib zu Hause, wascht die Hände und benutzt die Gesichtsmaske" - das ist die einzige Möglichkeit, um sich zu schützen. Wie sollen Millionen von Armen, die keinen Wasseranschluss haben, sich ständig die Hände waschen? Und wie sieht ihr "Zu-hause" aus, wo sie keinen Stuhl zum Sitzen und kein Bett zum Schlafen haben? Und wie sollen Tausende von Armen, die Kleinigkeiten auf der Straße verkaufen oder Schnaps in einer kleinen Kneipe, wenn dieser Betrieb und alle Geschäfte lahmgelegt sind, dazu die große Industrie stillsteht? Verkehrsmittel sind stark reduziert, alle kleinen und großen Versammlungen sind verboten. In den kirchlichen Gemeinde zelebrieren Pfarrer und Pastöre in der leeren Kirche, mit drei Personen und CD-Gesängen, und das Ganze wird über Radio und  Whats-App oder ähnliches übertragen für die, die sich einschalten. Unser Bischof hat in der letzten Woche eine Video-Konferenz mit den 6 Diözesankonsultoren veranstaltet. Da ich dazu gehöre, musste ein Freund hier am Ort diese Verbindung mit meinem Computer einrichten, da ich davon nichts verstehe.

Brasilien ist in dieser Situation einigermaßen lahmgelegt und muss sich an das Chaos gewöhnen. In den großen Städten befolgen nur circa 45% der Bevölkerung das Versammlungsverbot. Unser Präsident glaubt, das Ganze sei nur eine kleine Grippewelle. Und die vielen Toten: "Da kann ich auch nichts machen". Aber die Bediensteten im Gesundheitswesen tun ihr Bestes, sind völlig gestresst und sind an ihre Grenzen gekommen und leiden darunter, die Opfer nicht besser versorgen zu können.

Nun muss ich aber von uns hier etwas berichten. Der Ort, an dem ich wohne, hat nur 1500 Einwohner. 3500 Einwohner wohnen verstreut auf dem Land. Wir haben in der ganzen Gegend keine Viruserkrankung. Aber die Kirchen sind geschlossen und alle Geschäfte außer Apotheken, Tankstellen und drei Geschäften, die Lebensmittel und Baumaterial verkaufen. Aber hintenherum funktioniert doch noch einiges. In größeren Orten der Gegend ist das alles z.T. rigoroser. Alle Orte haben an den Eingängen zur Stadt "Sanitätsbarrieren". In Orten mit über 10.000 Einwohnern hat es einige wenige Fälle gegeben. Wenn ein Verdacht aufkommt, wird die Person nach Teresina zur Untersuchung gebracht. Einige  Fälle sind mir bekannt, aber in den ländlichen Gebieten mit Bauern-Bevölkerung hat es keine Opfer gegeben - bis jetzt, Gott sei Dank. Nur die vorgeschrieben vorsichts Maßnahmen sind überall zu beachten. Das kirchliche Leben ist lahmgelegt, durch bischöfliches Dekret. Ich meine, die Pfarrer müßten etwas kreativer sein, um den Kontakt zur Gemeinde zu erhalten, mit bisher nicht gewohnten Methoden der geistlichen Begleitung und Anregung. Ich selbst wohne nach meiner endgültigen Pensionierung auf einem Gelände der "Fraternität", etwa 4000 m² groß, mit einer Kapelle und einem kleinen  Versammlungsraum. Damit bin ich sozusagen zu einem Eremiten geworden. Ich muss ständig nach Simplício Mendes, wo wir uns neu eingerichtet haben für unsere Aktionen unter den Bauern unserer Gegend. Diese Arbeit geht weiter und wird wenig von der Coranirus-Pandemie beeinträchtigt. Dazu muss man auch erklären, dass wir eine sehr gute Regenzeit hatten und die Bauern eine gute Ernte eingebracht haben. Das erleichtert vieles in diesen heiklen Situationen. Hier bei uns können wir sagen, dass wir nicht eine Hungersnot zu bestehen haben. Aber die Beeinträchtigungen und Gefährdungen machen uns allen zu schaffen. Wir haben uns schon daran gewöhnt, uns nicht mit Handschlag, Umarmung und Küsschen zu begrüßen. Die geschlossenen Geschäfte, Schulen, Verwaltungen und Pfarreien machen uns zu schaffen. Aber wenn die Seuche uns nicht voll erreicht, können wir Gott auf den Knien danken. Wir beten ständig um diese Gnade und für alle, die schwer zu leiden haben - und das sind große Bevölkerungsmassen in unserem Land. Ich kann im Moment mit Erleichterung sagen, daß wir unsere Arbeit mit der gebotenen Vorsicht fortführen können.

Ich grüße alle lieben Brüder und Schwestern und danke für alle Sorge um uns.

Der gütige Gott behüte uns alle.
Mit brüderlichem Gruß
bin ich  Euer Padre Geraldo.