Liebe Schwestern und Brüder in Deutschland,

Wir haben schwere Schläge eingesteckt in den letzten Tagen.

Zuerst war es ein schweres Verbrechen: ein Mann erstach seine schon von ihm getrennte Frau und erhängte sich danach. Der ganze Ort war fassungslos und erschüttert - hier sind alle miteinander verwandt.

Dann kam die Elisabeth-Wallfahrt: eine Liturgie, die in allen Einzelheiten vorbereitet war, mit vielen Darstellungen und Einlagen. Das Publikum wie immer: 15 bis 20 tausend Menschen. Als der Bischof seine Predigt begann, ging das Licht aus und ein Unwetter mit Blitz, Donner, Regen und gewaltigen Sturmböen ging auf uns alle nieder. Die ganze Menge stand klatschnass im Dunkeln und suchte dann ihre Fahrzeuge, um nach Hause zu fahren. So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich war völlig sprachlos. Wenigstens gab es noch keine konsekrierten Hostien.

Als einer der letzten fuhr ich nach Hause - 80 km. Ich kam durch zwei Orte, wo kein Tropfen Regen gefallen war. Aber hier am Ort (und nur hier) war ein gleiches Unwetter niedergegangen (32 mm Regen in einer Stunde). Die Dachziegeln flogen durch die Gegend, Mauern stürzten ein, Tore wurde aus den Angeln gerissen, Leitungen unterbrochen (das Telefon funktioniert bis heute nicht, der Radiosender war ohne Übertragungsantenne, der Strom kam erst am nächsten Mittag wieder). Dasselbe Chaos wie bei der Wallfahrt. Der Sturm peitschte Dreck und Regen ins Haus. Aber im Dunkeln konnte man nichts aufräumen. Das blieb für die nächsten Tage. Nun glüht schon wieder die Sonne (bis 38 Grad).

Mit herzlichen dankbaren Grüßen
Padre Geraldo Gereon