Liebe Schwestern und Brüder,

zu meinem 82. Geburtstag habe ich mehrere liebevolle Grüße per Internet erhalten. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken. Es ist mir nicht möglich persönliche Briefe zu schreiben. Daher sende ich diesen Text an die Adressen aller Gratulanten.

Der Grund für diese Notlösung ist das Problem mit meinem linken Auge, das im Oktober des vergangenen Jahres mit einer Entzündung dieses Auges begann. Obwohl diese schnell abklang, hinterließ sie aber eine Unschärfe der Sicht, die bis heute anhält. Zuerst suchte ich einen Arzt in Oeiras auf (162 km von hier), der eine neue Brille verschrieb. Als ich diese Brille erhielt, stellte ich keine Korrektur fest: das Phänomen der Unschärfe bestand weiter. Infolge dieser nicht behobenen Veränderung gelang es mir nicht zu lesen und zu schreiben. Die schmerzliche Konsequenz war, dass ich nicht mehr zelebrieren konnte.

Damit begann ein neuer Abschnitt. Ich suchte Spezialisten in Petrolina auf (250 km von hier entfernt), eine Stadt mit einem guten medizinischen Angebot. Als der Hauptgrund der "Graue Star" identifiziert war, wurde die Operation geplant. Ich musste noch die Einführung des neuen Pfarrers abwarten, nachdem ich Endgültig repensioniert war. Dann war der Termin gekommen, das geschah dann Ende Februar. Alle Welt behauptete, dass es sich um einen schnellen, unkomplizierten Eingriff handele. Nach einem kurzen Beginn der Operation brach der Arzt plötzlich die Chirurgie ab: an der Retina sei etwas Gefährliches eingetreten, das ich nicht gut erklären kann. Ich wurde an einen anderen Spezialisten überwiesen, der am nächsten Tag eine neue Operation begann, die drei Stunden dauerte. Nach zwei Wochen besorgter Beobachtung stellte man erleichtert fest, dass keine Gefahr mehr bestand. Mir wurde dann von vielen Freunde geraten, mich an einen berühmten Spezialisten in Teresina (500 km entfernt von hier) zu wenden. Dieser stellte dann fest, was nicht gut oder richtig gelaufen war und versprach alles in Ordnung zu bringen.
Zwei neue chirurgische Eingriffe fanden statt - immer mit zwei bis drei Wochen bis zur nächsten Revision. Dann kam man an den Punkt eine neue Brille zu verschreiben. Diese habe ich seit zwei Tagen in Gebrauch - sie hat immer noch nicht die erwartete Wende gebracht. Lesen kann ich nur in einem Abstand von 20 cm vom Auge. Das reicht immer noch nicht zum Zelebrieren.

Ich muss nun herausbekommen, ob eine Korrektur der Brillengläser die Lösung bringt. Das bedeutet: neue Reisen in die Hauptstadt Teresina (hin und zurück 1000 km). Grob gerechnet habe ich in den letzten 10 Monaten rund 10.000 km abgefahren (mit Fahrer). Ich stehe also noch immer auf dem Abstellgleis. Aber sonst habe ich keine körperlichen Beschwerden.

Ich habe versucht diese Geschichte so gerafft wie möglich darzustellen, um Euch in großen Zügen meine Lage zu erklären. Da ich keine Pfarrei mehr zu besorgen habe, kann ich unsere sozialen Projekte weiterführen. Ich habe gute Mitarbeiter, die die grobe Arbeit tun. Planung und Verwaltung kann ich mit ihnen zusammen bewältigen. Darüber werde ich in einem neuen Rundbrief berichten
Ich danke noch einmal ganz herzlich für die guten Wünsche und Gebete. Wenn man die armen Bauern hier fragt, wie es ihnen geht, dann sagen sie oft: Es geht mir gut - ich kann laufen und sehen. Mehr brauchen sie nicht. Mit allen Einschränkungen kann ich das auch sagen. Ich kenne so viele Menschen, denen es viel schlechter geht als mir. Ich habe noch immer Grund genug sehr dankbar zu sein.

Ich Grüße Euch alle mit einer herzlichen Umarmung. Gott segne uns alle.
Euer Padre Geraldo