Liebe Brüder und Schwestern in Deutschland,

        Im Hinblick auf den bevorstehenden Weihnachtsbasar hier einige Informationen über unsere Lage, die unsere Aktionen motivieren. Über Einzelheiten meines persönlichen Einsatzes (Pensionierung, 13 Monate in der Verwaltung der vakanten Diözese, Wiedereinsetzung als Pfarrer) werde ich bei anderer Gelegenheit berichten. Mein Dienst als Diözesanpriester hat immer das starke soziale Element eingeschlossen. Das Beispiel des hl. Franziskus und die erklärte und ständig wiederholte "Option für die Armen" der lateinamerikanischen Kirche begründen und verlangen das. So bin ich bis heute der Leiter der "Franziskus-Bruderschaft" als Träger dieser Aktionen. Da gibt es keine Pensionierung. Immer wieder sind wir herausgefordert durch kritische Situationen der kleinen Bauern, die die Mehrheit unserer Bevölkerung sind.

        Wir haben eine Periode von 7 Dürrejahren hinter uns. Sie haben schwere Schäden angerichtet: große Teile der Vegetation sind eingegangen, besonders Weideflächen, Futterpflanzungen und Blütenbestände im Busch für die Honigernte mit der katastrophalen Folge der Verminderung der Herden und der Bienenvölker. Die Natur dieser Dürrezone ist sehr vital, sie wird die Schäden "aufarbeiten". Wir kennen das seit Jahrhunderten. Aber wir können helfen, die Schäden zu überwinden.

       So haben wir an verschiedenen Stellen begonnen, Setzlinge der verschiedenen Futterpflanzen in großer Menge zu produzieren. Wir haben große Flächen mit Bewässerung "in Arbeit". Bis zum Beginn der Regenperiode müssen die Pflanzen transportfähig sein und in einem großen Gebiet mit hohen Transportkosten verteilt werden.

       Dazu haben wir für die sehr verbreitete Ziegen- und Schafzucht gute Rassetiere erworben und verteilt. Das ist nicht einfach, weil das Angebot sehr gering ist und nur den Kauf geringer Mengen zulässt.

       Die Imkergenossenschaft hat tragische Einbußen erlitten. Die Honigproduktion ist bis zu 70% zurückgegangen. Das wird ein Überlebensproblem, das nicht im ersten Jahr zu überwinden ist. Die Genossenschaft muss über die ausschließliche Honigproduktion hinaus ihre Betätigung ausweiten, die schon besteht. Dazu bietet sich die Ziegen- und Schafzucht an. Nur kann man an die großen Verbraucherzentren keine lebenden Tiere verkaufen. Und es gibt keine Schlachthöfe in unserer Gegend. Also versuchen wir eine eigene kleine Einrichtung zu schaffen. Das ist wieder ein langer Weg - wir werden es versuchen, denn es besteht tatsächlich eine große Nachfrage.

         Der Bau der Eisenbahnlinie ist praktisch eingestellt, da ist haushohe Korruption aufgedeckt. Zurück bleibt eine schwer verletzte Landschaft mit großen Schäden für die kleinen Landbesitzer. Wir haben schon an einigen Stellen Übergänge geschaffen, um den Verkehr zu erleichtern. Dazu begleiten wir mit Rechtsbeistand die noch ungelösten Enteignungs- und Entschädigungsfälle vor den Gerichten. Das ganze Unternehmen ist seit Beginn ein absurdes Theater.

         Das Geheimnis von Weihnachten ist das Geheimnis Gottes, der Mensch wurde unter uns, geografisch und historisch auszumachen: in Israel, wo Felder bebaut wurden und Schafe gezüchtet wurden. Seine Gegenwart wurde zuerst von Hirten wahrgenommen. Dieses Geheimnis des Glaubens erklärt unser Wirken hier im Nordosten. Wir wünschen, dass alle unsere Brüder und Schwestern den Segen des "Guten Hirten" spüren. Morgen feiern wir den heiligen Franziskus, den Patron unserer Pfarrei. Seine Fürsprache helfe uns, dass wir alle die große Gemeinde seien, wie Jesus sie wünscht.

Mit dankbaren brüderlichen Grüßen
Padre Geraldo Gereon