Liebe Schwestern und Brüder,

wieder nähern wir uns auf dem Weg zur Feier des Todes und der Auferstehung Jesu. Dem Tag, an dem einem die Worte des Propheten Jesaja zu Herzen gehen: „Ist nicht dies ein Fasten wie ich es liebe: dein Brot den Hungrigen brechen und arme Obdachlose aufnehmen in dein Haus? “(Jesaja 58).

Das dem Gott Israels wohlgefällige Fasten ist nicht der freiwillige Hunger als Zeichen der Buße, sondern das Teilen oder Wiederherstellen lebensnotwendiger Grundlagen für ein Leben wie Gott es für sein Volk wünscht: ausser der täglichen Nahrung sind es besonders die Würde und Rechte der Kleinen und Schwachen, Opfer von Ungerechtigkeit und Gewalt. Die Menschen der St. Franziskus-Gemeinde sind Euch in langen Jahren ans Herz gewachsen. Sie empfangen beim Fastenessen Eure Sorge und Hilfsbereitschaft.

Vor sieben Jahren wurde uns ein Zyklus von Dürrejahren vorhergesagt. Sechs schwere Jahre haben wir überstanden. Die siebte Regenperiode soll das Ende der unzureichenden Niederschläge sein. Es ist schwer die Lage im Allgemeinen zu beschreiben. Unsere Diözese hat etwa 300 km in Nord-Süd-Ausdehnung,  mit mindesten drei unterschiedlichen Klimazonen. Hier in Oeiras regnet es fast täglich, oft zweimal am Tag. Wir haben große Sorge bezüglich der Einführung des neuen Bischofs am 11. April: wir befürchten Regen am Nachmittag bei der großen Feier im Freien vor der Kathedrale.

In São Francisco, meinem eigentlichen Wohnort, regnet es nur in kleinen Mengen. Der normale Durchschnitt sind 620mm jährlich. Es fehlt nur noch ein Monat bis zum Abschluss der Regenperiode – aber wir hatten bis jetzt nur 200 mm Regen. Vieles kann sich noch schnell ändern. Erst Ende April gibt es eine sichere Nachricht.

Ich will nun ein Phänomen schildern, das ich vor einigen Tagen in Simplício Mendes bemerkte. Ich suchte in 5 Supermärkten einen Artikel, der normalerweise immer vorhanden ist, aber den keiner der 5 Läden führte.  In vier dieser großen Geschäfte war die Hälfte der Regale leer, die großen Kühlschränke standen abgeschaltet in einer Ecke, an der Kasse sass der Besitzer und wartete auf Kunden. Das ist das Ergebnis von 6 Jahren ohne Ernte -  denn 80% der Kunden sind kleine Bauern.

Die große Imker-Genossenschaft funktioniert auf Sparflamme und hat über 50% ihrer Beschäftigten entlassen. Die Honigernte in diesem Jahr ist auch alles andere als normal. Viele Bienenstöcke sind noch nicht wieder bewohnt. Oft kommt gerade am Ende der Regenzeit die grosse Honigernte. Also gibt es noch Hoffnung.

Nach den langen Jahren mit großen Verlusten in der Ernte und in der Viehzucht kann nicht alles sofort zu normalen Verhältnissen zurückkehren. Da tut sich für uns ein großes Feld von Hilfsmaßnahmen auf. Es gibt noch immer Orte, an denen große Wassermengen aufgestaut werden können. Wir haben schon erste Untersuchungen aufgenommen. Auch können wir die Ziegenzucht aufrichten mit der Einführung von Rassetieren, die widerstandsfähig sind und unter den lokalen Bauernvereinen verteilt werden können. Dazu gehört auch der Anbau von Viehfutter in größeren Ausmaßen. Das ist immer noch ein schwacher Punkt bei unseren Bauern – sie legen nicht leicht die Gebräuche der extensiven Viehwirtschaft ab.

Der Bau der Eisenbahlinie liegt seit Monaten völlig still. Man ist den großen Bauunternehmen auf die Schliche gekommen und hat starke Korruption aufgedeckt. Die Enteignungs- und Entschädigungsprozesse kommen nicht voran, aber verhindern vorzeitigen Baubeginn. Wir wollen weiterhin den verzweifelten Kleinbauern helfen die Schäden ihres aufgeteilten Landes zu überwinden. Ihren Elan erhalten und ihre Hoffnung nähren ist eine wichtige Mission für uns. Sie wird gelingen, wenn wir so „fasten“ wie es der Prophet Jesaja empfiehlt: „...dein Brot den Hungrigen brechen...und dich deinen Mitmenschen nicht entziehen, ...dann wird der Herr dich leiten und selbst im dürren Land dich sättigen, ...er wird deine Glieder mit Kraft erfüllen; du wirst wie ein bewässerter Garten sein, wie eine Quelle, deren Wasser nie versiegt“ (Jesaja 58).

Allen Brüdern und Schwestern danken wir herzlich dafür, das sie uns helfen, diese Hoffnung nicht zu verlieren.

Wir wünschen Euch allen ein frohes Fest der Auferstehung Jesu

Ihr Padre Geraldo Gereon