22. Dezember 2016


   Zum Jahresende und -anfang sende ich immer einen Gruß an Freunde und Wohltäter. Ich konnte es diesmal nicht schaffen. Das ständige Hin und Her zwischen São Francisco und Oeiras dauert an, bis ein neuer Bischof auftaucht.

   So möchte ich diese kleine Betrachtung dem großen Ereignis der Geburt Jesu widmen.

   In meinem Rundbrief bezog ich mich auf unsere große Elisabeth-Wallfahrt. Ihre zentrale Bedeutung kommt in dem Satz zum Ausdruck: "Hier wollen wir unsere Option für die Armen einüben, um die Kirche zu sein, wie Jesus sie wollte." Die liturgischen Texte sind immer durch Beispiele aus dem Leben unserer Armen angereichert. Sie machen uns deutlich, dass diese unsere "Option" unvermeidlich ist - sonst sind wir nicht die Kirche nach dem Willen Jesu.

   Zwei Tage nach der eindrucksvollen Groß-Veranstaltung machte ich eine merkwürdige Erfahrung. Mir schien, dass die heilige Elisabeth mir von hinten auf die Schulter tippte und mich erinnerte: "Du hast doch so stark die "Option für die Armen" herausgestellt - was tust Du denn für die verzagte Frau, die Dich zwei Minuten vor dem Beginn der Feier am Fuß des Altars ansprach: "Unsere Wasserstelle ist verschlammt und vertrocknet - unsere Rinder und Ziegen sind am Verdursten und für Tankwagen haben wir kein Geld mehr." Ich hatte es eilig und brachte nur ein paar unverbindliche Worte heraus. Darauf bezog sich die heilige Elisabeth. Da war ich aufgescheucht. Ich rief meinen Traktor-Fahrer: "Fahr sofort an den Ort dieser Leute - etwa 30 km weit - und sieh zu, ob etwas zu machen ist." Er kam zurück und berichtete: "In dieser 2m-dicken Schlammschicht können unsere Maschinen nichts machen." Aber er fügte hinzu: "Ganz nah an den Häusern könnte man eine neue Stauanlage schaffen - der Boden dort lässt keine Verschlammung entstehen." Nun hatten wir es eilig, denn jeden Moment könnte es regnen. Sofort begannen die beiden Fahrer ihre Arbeit. In drei Tagen schafften sie 62 Traktor-Stunden. Sie konnten ein neues, tiefes Staubecken schaffen.

   Ich betete darum, den Regen etwas aufzuschieben. Er kam kurz danach und schaffe einen 2m tiefen Wasserstau, fast die Hälfte von dem, was er fassen kann. Als ich mir das ansah, fand ich eine fröhliche Gemeinschaft vor und Tiere, die ständig zum Trinken kamen.
 
   Es war ihre Weihnachtsfreude. Ich verstand, was die heilige Elisabeth sagen wollte: Der Jesus der Armen ist der arme Jesus im Futtertrog des Schafstalles - bis ans Ende der Welt.
Die Freude der Armen möge uns alle Tage begleiten.

Herzlichst - Padre Geraldo