In Kürze wird in St. Wilhelm wieder der jährliche Basar zugunsten unserer Armen stattfinden. Er hat eine lange Geschichte in dem Bemühen der Gemeinde, die Not der kleinen Bauern des brasilianschen Nordostens zu lindern. Einige Informationen dazu möchte ich hier zusammenstellen.

Öfter schon haben wir erklärt, dass unsere Hilfe eine doppelte Motivierung hat: einmal akute Not lindern, die hier immer dann entsteht, wenn das klimatische Gleichgewicht aus den Fugen gerät. Das ist das alte und immer wieder neue Phaenomen der Dürre, oder besser der unzureichenden und unregelmäßigen Regenfälle: Ernte geht verloren oder ist unzureichend zum Überleben der Bauern, Wasser fehlt für Mensch und Tier, und die Folgen sind dezimierte Viehbestände, und Abwanderung in andere Landesteile. Manchmal gibt es längere Abstände  zwischen Dürrejahren. Und manchmal bleibt die Dürre für mehrere Jahre. Das Letztere  ist uns in den vergangenen Jahren beschert worden. Sechs Jahre hintereinander haben wir schon die Dürre bei uns. Wir sind nicht sicher, ob nicht noch ein siebtes Jahr dazukommt. Alle warten wir wieder auf die ersten Regenfälle, aber sie müssen über sechs Monate anhalten, um die Normalität wiederherzustellen.

Neben Bekämpfung von Hunger und Durst geht es uns darum, Bedingungen zu schaffen, um „mit der Dürre zu leben“. Das bedeutet: Alternativen zu entdecken und einzurichten, die eine Dürre nicht zu einer Überlebenskatastrophe machen. Hier haben wir in den letzten Monaten viel unternehmen können. In der Regenperiode zu Anfang des Jahres gab es einige außergewöhnlich schwere Regenfälle. Da waren in 40 Tagen alle Wasservorräte aufgefüllt – eine grosse Erleichterung, obwohl für die Ernte auf den Feldern wieder der ausreichende Regen fehlte – das hiess: wieder keine Ernte.

Wir nutzten die letzten Monate fasst ausschliesslich, um alternative Auswege zu schaffen. Wir gründeten neue Imkergruppen mit den notwendigen Einrichtungen. Wieder waren zwei Drittel der Honigernte verloren gegangen. Aber wir sind uns sicher, dass die Imker-Genossenschaft selbst bei geringen Niederschlägen grosse Honigmengen verarbeiten kann. Dafür muss sie auf dem letzten Stand der Forderungen des Marktes sein und ständig investieren. Für eine effiziente Ziegen- und Schafzucht brauchen die Bauern Stallanlagen. Über 60 neue Ställe konnten wir errichten.
Unter den zum Teil schwer betroffenen Bauern, denen der Bau der Eisenbahnlinie grosse Schäden bereitete, konnten wir neue Felder, Häuser und Wasserstellen schaffen. Im Moment steht alles still – die Krise des Landes hat auch dieses Mega-Projekt erreicht,  und die Korruption ist nirgendwo so gross wie bei den grossen Bauunternehmen. Sehr wichtig ist uns die Bildungsarbeit mit den Jugendlichen unserer Bauern. Diese Arbeit geht mit mehrmonatigen Kursen weiter.

So bleibt uns im Moment die Hoffnung auf das Erbarmen des himmlischen Vaters, das immer das letzte Wort ist auf unseren Wegen. Mit dem neuen Bischof ist es genauso wie mit dem Regen: ein unergründliches Geheimnis: Wer etwas sagt, weiss nichts – und wer etwas weiss, sagt nichts. So muss ich mein Doppelleben weiterführen. (Nach dem Tod von Bischof Dinkelborg dauerte die Vakanz eineinhalb Jahre).

Mit herzlichen dankbaren Grüßen bin ich
Ihr
Padre Geraldo Gereon