Bäuerin in Piaui

Auf diesem Bild schaut Dich eine Bäuerin an aus dem dürregeplagten Piauí, im brasilianischen Nordosten. In diesem Blick sind verschiedene Einzelheiten aus dem Leben dieser Frau verborgen. Gleichzeitig bringt er zum Ausdruck, welche Haltungen diesem Leben ihre Richtung geben, die sie manchmal selbst bestimmen kann, aber der sie sich auch oft unterwerfen muss.

 

Im Blick dieser Frau kann man entdecken, dass sie ein schweres Leben hat. Sie ist noch nicht 50 Jahre alt, aber die Entbehrungen dieses schweren Lebens prägen ihre Züge. Sie lebt allein mit ihrem Ehemann, die Kinder sind schon aus dem Haus und bauen ihr Leben an anderen Orten auf, weit entfernt von der Einöde ihres Elternhauses.

Das Ehepaar bebaut ihr kleines Stück Land mit seinen steinigen und geröllhaltigen Böden, die nicht einmal das Pflügen zulassen. Mais und Bohnen sind die Produkte mit denen sie den Unterhalt für sich und ihr Vieh erarbeiten., dazu etwas Weidefläche. Strom und Wasser gibt es nicht in ihrem Haus. Eine 7m hohe Antenne mit einer Autobatterie bringen ein Handy zum Funktionieren – das erleichtert die Kontakte.

Das Jahr 2012 hat dem ganzen Nordosten eine totale Dürre beschert. Alles, was die Bauern gepflanzt haben, ist verdorrt, der Verlust beträgt 100%. In die Zisternen ist kein Wasser gelaufen. Die kleinen und grossen Wasserbecken haben nur noch schlammige Pfützen als Rest. Die armen Bauern bekommen eine Beihilfe von der Regierung – für eine kleine Familie etwa 30 Euro. Eine Dürre kommt nicht wie ein Erdbeben oder eine Überschwemmung, sie installiert sich langsam. Die anfängliche Besorgnis wird langsam zu einer entsetzten Gewissheit. Der Blick unserer Bäuerin zeigt das.

Zwei Kilometer entfernt von Haus dieser armen Bauern beginnt der See der grossen Stauanlage „Pedra Redonda“. Da gibt es Wasser im Überfluss. Der Wasserspiegel sinkt langsam, weil ständig Wasser in den Flusslauf abgelassen wird. Das lässt am Ufer einen feuchten Streifen von etwa 6 Metern zurück. Da pflanzen die Bauern Bohnen und Futtergras. Jeden Tag gehen sie herunter an das Wasser und begiessen die kleine Pflanzung mit einer Giesskanne. Beide beklagen sich über ständige Rückenschmerzen. Aber eine Motorpumpe ist unerschwinglich, es muss schon die Giesskanne sein. Bei meinem Gespräch mit ihnen sah ich, dass etwa zwei Meter feuchten Bodens nicht bepflanzt waren. „Ich habe keine einzige Bohne mehr zum Pflanzen“, erklärte die Frau.

Die Gesichtszüge und der Blick dieser Bäuerin sprechen von all dem, was hier angedeutet wurde. Aber die Frau lässt den Kopf nicht hängen, sie ist nicht mutlos. Grösser als die physische Kraft ist die innere Stärke. Das gibt ihr die Sicherheit diese schwierige Zeit zu bestehen.

Dafür gibt es einen Grund: es ist der Glaube dieser Frau an Gott, den guten Vater, der seine Kinder nicht im Stich lässt. Die Dürre ist nicht einfach als Strafgericht zu deuten. Gott gibt und nimmt – für beides danken wir. Das ist der Glanz, der auch leuchtet im Gesicht dieser Bauersfrau. Ihr Name ist ELISABET.

In brüderlicher Verbundenheit
Padre Geraldo Gereon