Liebe Brüder und Schwestern in Deutschland,

wieder haben wir den Weg zur Feier der Auferstehung Jesu begonnen. Dazu wurden wir eingeladen mit den Worten Jesu: „Bekehrt euch und glaubt an die Frohe Botschaft“. Muss man sich zu einer Frohen Botschaft bekehren? Sicherlich wäre das nötig, wenn diese Botschaft uns ängstigen oder bedrücken würde. In den letzten Wochen haben wir hier eine eigenartige Erfahrung dazu gemacht. Unseren armen Bauern wurde im vergangenen Jahr die Auszahlung der Versicherung gegen Ernteausfälle verweigert. Wir veranstalteten eine große Kundgebung und mobilisierten einflussreiche Leute, um die Regierungsbürokratie umzustimmen. Alles nützte nichts. Bis heute gab es keinen Ausweg.

Die Enttäuschung bedrückte sehr. Dazu kam der wachsende Hunger und der fast totale Wassermangel für Mensch und Tier. Die letzten Reserven waren aufgebraucht, und die neue Regenperiode wollte nicht in Gang kommen. Diese Not drang über die Internet-Wege in die Öffentlichkeit der näheren und weiteren Umgebung. Ganz schnell kam eine Welle der Solidarität in Gang: Lebensmittel wurden gesammelt, Geldbeträge überwiesen und Benefizveranstaltungen organisiert, wohlgemerkt außerhalb unserer Pfarrei. Wir organisierten ganz schnell die Erhebung der am meisten Betroffenen, die Verteilung von ca.15 Tonnen Lebensmitteln und Wasserlieferungen mit Tankwagen.

Plötzlich wandelte sich die bedrückende Enttäuschung in „Frohe Botschaft“. Das spontane Entstehen dieser Bereitschaft zum Teilen war viel beglückender als es die Überwindung bürokratischer Sperren gewesen wäre. Es war die frohe Botschaft vom Feuer unter den Töpfen hungriger Armer, dessen Rauch der beste Weihrauch wurde, der je zu Gottes Thron aufstieg.

Eine besonders freudige Überraschung war der starke Einsatz einer Gemeinde, die zu den aggressivsten Sekten gehört. In den langen Jahrzehnten hier passierte das zum ersten Mal. Und dann kam die Spende eines lebendigen Ziegenbockes aus einer anderen Gegend hier, die von den folgenden Brief begleitet war: „Padre Geraldo, das ist eine kleine Hilfe von einem Jungen, der heute ein Mann ist und der vor langer Zeit Reis gegessen hat, den Sie in unserer Region verteilten. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich jemandem helfen kann, der mehr Not leidet als ich. Ich danke Gott dafür, dass er mir ein wenig gegeben hat, das ich mit den Brüdern teilen kann, die es am nötigsten haben. Gott ist der Vater der Armen.“

Jetzt hat es einige Male geregnet. Die Bauern haben endlich gepflanzt, mit drei Monaten Verspätung. Alle hoffen, dass der Rest der Regenzeit für eine Ernte ausreicht. Die Frohe Botschaft vom Gott, dem Vater der Armen, gibt ihnen diese Sicherheit.

Und Sie alle dort in Deutschland dürfen wissen, dass Ihr langjähriger Einsatz für unsere Armen ein Zeugnis dieser Botschaft geworden ist, die so viel Freude hervorbringt wie ein langersehnter Regen auf einem ausgetrockneten Acker.

Mit herzlichen dankbaren Grüßen zum heiligen Osterfest bin ich
Ihr Bruder in Christus
Padre Geraldo Gereon