Es ist 11 Uhr abends. Ich bin seit dem frühen Morgen unterwegs gewesen - zum Monatsende muss ich die verschiedenen Projekte besuchen, Rechnungen begleichen und Auszahlungen vornehmen. Den ganzen Tag über war es sehr heiß, wie es um diese Zeit üblich ist, wenn sich die ersten Regenfälle ankündigen. Nirgendwo habe ich Regen gehabt, aber hier am Ort gab es einige große Pfützen. Der Regenmesser bestätigte es: es hat hier heute 20 mm Niederschlag gegeben. Das war der dritte Regen im Oktober. Es geht also langsam los. Aber diese ersten Regenfälle sind immer sehr stürmisch und kurz - zum Pflanzen reicht das nicht. Die Leute sind auch noch stark beschäftigt damit ihre Felder herzurichten, um dann bis zum Jahresende die Pflanzungen zu beginnen. Jedes Mal, wenn so eine neue Pflanzperiode beginnt, ist es völlig offen ob es zu einer Ernte reicht.

Die letzte Regenperiode hat uns da wieder übel mitgespielt: Zum Anfang gab es etwas Regen, der unzureichend war. Dann kamen etwa 40 Tage gute Regenfälle. Aber zum Reifen der Ernte fehlte dann wieder das notwendige Maß an Regen. Die Folge war ein Ernteverlust von über 50 Prozent. Da begann dann ein uns bisher unbekanntes Drama der armen Kleinbauern. Sie können sich etwa fünf Monate vor den ersten Regenfällen in eine vom Staat organisierte Versicherung gegen Ernteverlust einschreiben. Es waren hier 861 Familien. Dann muss in den folgen Monaten ein Ritual von Erhebungen und offiziellen Untersuchungen befolgt werden zur Feststellung eventueller Verluste. Die dafür zuständigen Stellen haben das verschlafen und die festgesetzte Frist verstreichen lassen für das Eintreten des Versicherungsfalles. Da begann das große Jammern, aber die eifrigen Bürokraten ließen sich nicht bewegen: Es gibt keine Entschädigung.
Wir haben am 25. Oktober einen großen Protestmarsch unserer Bauern veranstaltet und uns mit einem Manifest und Hunderten von Unterschriften an die Präsidentin gewandt, um diese Situation zugunsten der armen Bauern zu wenden, die für dieses Desaster nicht verantwortlich sind. Das Fernsehen und alle anderen Medien haben gut berichtet und damit Empörung hervorgerufen. Nun warten wir auf das Resultat.

 

 

TEXTE auf den Transparenten:

„Wir haben die Ernte verloren, die Versicherung können wir nicht verlieren“

„Die Bürokratie schläft, der Hunger schläft nicht“

„Ernteversicherung ist nicht Putsch, sondern Bürgerrecht“

 
Gern hätten wir noch Zisternen gebaut, deren Notwendigkeit wir bei einer Erhebung mit einer Gesamtzahl vom 120 feststellten. Die Mittel reichten nicht für so viele. Wir haben uns auf das nächste Jahr vertröstet, um alle Bewerber zu erfassen.

Zisterne
Am 17. November ist wieder die große Elisabeth-Wallfahrt. Wir bereiten uns gut darauf vor, um bei der großen Heiligen wieder etwas für unsere Aufgabe in der Welt zu lernen. Wir wollen nicht nur Empfänger von Hilfe sein, sondern uns selbst zum Helfen aufmachen. Das ist der beste Dank für unsere vielen Helfer.

Mit herzlichen dankbaren Grüßen bin ich
Euer Bruder in Christus
Pastor Geraldo Gereon.