Vor zwei Stunden ging hier am Pfarr Ort ein „retiro“ (Einkehrtag, Besinnungswochenende) zu Ende, bei dem drei Tage lang 120 Erwachsene und Jugendliche beisammen waren, die zu den verschiedenen Basisgemeinden hauptsächlich im Innern der Gemeinde gehören. Vor einer Woche hatten wir dieselbe Veranstaltung in dem anderen Bezirk der Gemeinde, der etwa dieselbe Anzahl von Teilnehmern aufbrachte. Vor anderthalb Jahren haben sich alle Gemeinden der Diözese auf den Weg gemacht, um die „Santas Missões Populares“ durchzuführen, die sich über rund zwei Jahre erstrecken. Die Missionare sind aus der eigenen Gemeinde und bekommen bei bestimmten Gelegenheiten Unterstützung aus anderen Gemeinden. Bei den zwei großen Hauptveranstaltungen im Mai und Juni werden wir etwa 350 solcher Laienmissionare für 10 Tage mobilisieren und das ganze Gebiet der Gemeinde, das in 25 Sektoren aufgeteilt ist, mit lokalen und Groß-Veranstaltungen und mit umfassenden Hausbesuchen in die Mission einbeziehen. Vor allem die spirituellen Grundlagen und die spezielle Dynamik dieser Mobilisierung werden monatelang vorher in vielen kleinen Schritten erarbeitet.

Die meisten Teilnehmer des „retiro“ mussten lange Wege zurücklegen, um hier an den Pfarr Ort zu kommen. Es hatte gut geregnet in den letzten Tagen, die Strassen waren voller Schlamm und Wasser. Dann gab es am Freitag einige schwere Gewitter und Wolkenbrüche, die die Strassen an vielen Stellen unpassierbar machten. Einige Missionare mussten erst das Sinken des Wassers abwarten, um nach Hause zu kommen. Seit vielen Jahren haben wir nicht so viel Regen gehabt. Die Staubecken und Zisternen sind schon voll gelaufen. Auf den Feldern geht es nun endlich voran, nachdem die Anfänge wenig ermutigend waren. Einige Bauern haben viermal gepflanzt, das Saatgut aufgebraucht und doch nichts in Gang gebracht, was eine Ernte ermöglicht. Unser Klima ist immer extrem, entweder zuviel oder zuwenig. Über die Bienen allerdings können wir uns nicht beklagen. Sie warten bis der Busch in Blüte steht und holen schnell das Versäumte nach. Es ist schon viel Honig im Zentrallager und es wird nur noch wenige Tage dauern, bis die ersten Container verladen werden.

Nicht so gut geht es mit der Sesam-Produktion. Wir haben das Anpflanzen dieses begehrten Produktes seit einigen Jahren gefördert. Aber die Vermarktung ist schwierig. Es fehlt der notwendige Zwischenhandel. Die Direktkäufer wollen entweder zu wenig (300 kg) oder zuviel (150 t). Langsam kommen wir weiter. Vor allem muss man das Bio-Zertifikat erarbeiten, ein recht kompliziertes, auch kostspieliges Verfahren. Seit Monaten sind wir damit an der Arbeit. Für die nächste Ernte in drei Monaten kann es klappen. Aber da muss auch das Klima mitspielen.

Immer wieder kommen wir zu der Feststellung, dass die Veränderungen für unsere Kleinbauern ein kultureller Prozess sind. Sie erfordern sowohl Investitionen als auch Bildung. Seit einigen Monaten haben wir damit begonnen, die Kinder unserer Bauern in Bienen- und Ziegenzucht einzuweisen, ihre Arbeiten durchzurechnen und zu planen. Wir haben dafür auf dem Gebiet unseres Ziegenzuchtprojektes einfache Einrichtungen geschaffen, um Gruppen von 30 Kindern zusammen zu holen und mit ihnen die Grundlagen zu erarbeiten und einzuüben, die wir ihren Eltern viel schwerer vermitteln können.

Um diese Zeit ist es immer schwierig, Prognosen über Ernteaussichten zu machen. Erst im Monat Mai wird das möglich. Zumindest habe ich gerade in den ersten Abendstunden Blitze am Horizont gesehen. Das kann Regen in den Morgenstunden bedeuten. Er ist immer willkommen, und keiner lässt sich dazu hinreißen, sich über Regen zu beklagen. Wir bedanken uns bei all unseren Brüdern und Schwestern für die treue Hilfe, sie war in den letzten Monaten notwendig, um die Not der schweren Dürre zu überwinden. Jetzt können wir wieder mehr unsere Versuche fortsetzen, in kleinen Schritten die Veränderungen zu erreichen, die unseren Bauern aus der Not helfen kann.

Mit unseren Gebeten für eine gesegnete Fasten- und Osterzeit und vielen dankbaren Grüßen bin ich
Ihr Bruder in Christus
Padre Geraldo Gereon