Liebe Schwestern und Brüder,

heute Morgen fuhr ich in ein weit abgelegenes  Landgebiet der Pfarrei, um einer Gruppe unserer 270 Firmlinge die Beichte zu hören. Nach extrem heissen Tagen hatte es heute Morgen den ersten Regen gegeben. Sehnlich erwarteten wir ihn. Denn drei der an die Kirchengebäude angeschlossenen Zisternen hatten kein Wasser mehr. Der erste Regen muss immer die Dächer reinigen, die in 7 Monaten ohne Regen viel Schmutz ansammeln. Danach erst wird das Regenwasser in die Zisternen geleitet.

In den letzten Monaten konnten wir 100 neue Zisternen bauen, ein Teil davon angeschlossen an Ziegenställe, um die kleinen Herden mit Wasser zu versorgen. Aber auf dem Gesamtgebiet der Pfarrei fehlen noch immer zahlreiche Zisternen, bis wir sagen können, dass alle Wohnhäuser ihre eigenen Anlagen haben. Wir werden also weiter auf  dieses Ziel hin arbeiten. Bezüglich der Kosten: eine Zisterne kostet rund € 580,00.

Wenn es nun gut weitergeht mit dem Regen, kann man diese Arbeit nicht weiterführen. Ein Grund dafür ist auch der, dass viele Strassen unpassierbar werden und das Baumaterial nicht überall hingelangen kann. Im Inneren der Pfarrei haben wir viele solcher unpassierbaren Stellen. In der letzten Regenzeit habe ich einen ganzen Abend im Schlamm festgesessen, bis zwei Autos und 10 Männer und Frauen mich aus dem Loch herausbrachten. Einer der Bauern erinnerte sich, dass in seiner Kindheit, vor 32 Jahren, ein Lastwagen an derselben Stelle eine Woche lang festlag. Da fand ich es doch an der Zeit, eine geschichtliche Wende einzuleiten. In der letzten Woche nutzte ich einen Traktor, der hier für uns arbeitete, die gefährliche Stelle mit einer dicken Schotterschicht zu befestigen. So leicht wird nun keiner mehr steckenbleiben.

Wenn der Regen beginnt heisst es auf die Felder eilen und alles herrichten für die neue Pflanzperiode. Wir haben eine Reihe neuer Bauernvereinigungen zusammengefasst zur Ausbildung in den heute notwendigen Praktiken der Landwirtschaft und Viehzucht. Besonders die Bienenzucht ermutigt sehr. Die gesteigerte Honigernte hat uns sehr überrascht nach der Dürre des letzten Jahres und konnte gut verkauft werden. In der nächsten Woche beginnt die zweite Runde der Sesam-Pflanzungen unter der Anleitung erfahrener Techniker. Die guten Erfahrungen des ersten Jahres haben die Bauern stark motiviert.

Alle die Anstrengungen sind ein langer Weg zu befreiender Umwandlung. Unser Glaube bewegt uns dazu. Der Geist Gottes ist es, der uns zur Befreiung führt. Darum ist die Vorbereitung unserer Firmlinge so wichtig. Wir alle wollen diese Erfahrung machen: Alles ist Gnade – der Regen auf den Feldern, die fleissigen Bienen und unser geschwisterliches Bemühen um die Befreiung der Armen.

Mit herzlichen dankbaren Grüssen bin ich
Ihr Padre Geraldo Gereon