„Mit dem Letzten beginnen“

Pastor Gerhard Gereon sprach auf dem Katholikentag über sein Leben an der Seite der Arme

Katholikentag  Pastor Gereon

Pastor Gereon sprach beim Katholikentag über sein Leben mit den Armen im von Dürre betroffenen Nordosten von Brasilien. Die Menschen müssen oft weite Strecken zurücklegen, um an Wasser zu gelangen.

Fotos: Archiv/Plümäkers

Hamburg/Osnabrück.
Seit über 40 Jahren lebt Pastor Gerhard Gereon in der Gemeinde Simplicio Mendes im Nordosten Brasiliens. Dort lebt er an der Seite der Armen und für die Armen. Auf dem Katholikentag war „Padre Geraldo“, der in Hamburg aufwuchs und in Osnabrück zum Priester geweiht wurde, einer der stillen Stars.

Bei seinem Vortag „Mystik – Politik– ganzheitliche Entwicklung– Leben an der Seite der Armen in Nordost-Brasilien“ mussten viele Katholikentagsgäste weggeschickt werden, so beliebt ist Pastor Gereon in seiner Heimat nach wie vor. Seit 1967 lebt er in der Gemeinde Simplicio- Mendes im Nordosten Brasiliens. Gemeinsam mit den Menschen seiner Gemeinde, in der von extremer Dürre betroffenen Region, errichtet er Regenauffangbecken und Brunnen. Er hat mitden Bauern eine gemeinschaftliche Ziegenzucht, einen ertragreichen Futtermittelanbau und eine Imkergenossenschaft aufgebaut. In Brasilien sei er auf Menschen getroffen, die einerseits Opfer eines unterdrückenden Systems seien, die auf der anderen Seite aber auch mutig in die Zukunft blickten. „Die Menschen sind viel aufgeklärter als man denkt und fähig zur Hoffnung und Optimismus“, berichtet Pastor Gereon.

Die Bemühung um die Armen scheitern leider viel zu oft zu einem technisch-bürokratischen System. Doch ohne Mystik komme man den Menschen nicht nahe. Ohne Mystik fehle es den Armen an Motiven für ihr Tun. „Wir müssen die Flamme der Mystik entfachen. Zu unserer Arbeit mit den Bauern gehört immer das Gebet und das aufgeschlagene Evangelium dazu“, so Gereon.

Für Pastor Gerhard Gereon sind in seiner Arbeit Mystik und Politik miteinander verbunden. „Gotteserfahrung ist nie entgegen der politischen Verhältnisse möglich“, sagt er. Die Kirche müsse sich immer wieder auf die Armen besinnen und mit ihnen zusammen Veränderungen versuchen. „Es reicht nicht aus, für die Armen zu arbeiten, sondern man muss mit den Armen arbeiten“, sagt Pastor Gereon. In Brasilien hört der engagierte Geistliche nicht auf, auch die Politiker an ihre Pflichten zu erinnern: „Beginnen Sie bei den Letzten in der Reihe, bei den politisch Uninteressantesten, damit der Abstand kleiner wird zu denen, die zu viel Vorsprung haben.“

Auf der anderen Seite seien effiziente Resultate ohne mystische Motivierung schwierig zu erreichen. Er nennt das die Mystik es arm gewordenen Gottes: „Wir müssen die Demut entwickeln, dass der Gott unseres Glaubens, der Gott der Armen ist. Er ist zu den Armen gekommen, um mit ihnen arm zu sein. Das ist der Schlüssel zur Veränderung der Menschheit“, sagt Pastor Gereon.

In seinen Projekten in Brasilien versucht er diese Mystik umzusetzen. „Man muss die Armen so hoch setzen, dass man sich mit ihnen identifiziert. Wir sind zuallererst Jünger Jesu und zwar nicht des Jesu über den Wolken, sondern Jünger dessen, der klein und arm auf die Welt kam.“ Wie erfolgreich „Padre Geraldos“ mystische und politische Arbeit mit den Armen im Nordosten Brasiliens ist, macht ein Zitat eines Bauern aus der Gemeinde besonders gut deutlich, das Moderator Norbert Jahn zu Beginn des Vortrags zitierte: „Im Himmel ist Gott für uns da und auf der Erde Padre Geraldo. Er geht mit uns.“

Zur Zeit ist Pastor Gereon im Erzbistum Hamburg zu Besuch.

Katja Plümäkers